Stadtbächle und Gewerbekanal

Weit über die Grenzen der Region hinaus verbindet man das Stadtbild Freiburgs neben dem Münster immer auch mit den Bächle, die sich durch die Straßen Freiburg ziehen. Heute ausschließlich touristisch relevant, erfüllten die Wasserrinnen früher praktische Zwecke.
Urkundlich erwähnt werden die Bächle bereits 1238 und 1246, es ist allerdings nicht auszuschließen, dass ihre Geschichte sogar älter ist, als die der Stadt selbst.

Aus ursprünglich ungefassten Wasserzügen in der Mitte der Gassen und Straßen wurden befestigte, in ein Kastenprofil gefasste Bächle, die zum einen der Wasserversorgung der Bevölkerung dienten und andererseits die Entsorgung von Schmutzwasser und Abfällen erledigten. Das am Schlossberg aus dem Gewerbekanal ausgeleitete Wasser wurde vor allem für die Viehbrunnen und als Lösch-, Trieb- oder Brauchwasser genutzt, während die Entsorgung Abwässer aller Arten umfasste. Da es die Freiburger Bürger mit der Trennung von Brauch- und Abwasser scheinbar nicht immer so ernst nahmen und sich Krankheiten durch verunreinigtes Wasser häufiger ausbreiteten, wurde die Nutzung der Stadtbächle ab dem 14.Jahrhundert streng geregelt und überwacht.

Genau wie die Abwässer der Bächle wurde auch das mit Stoffen aller Art „angereicherte“ Wasser des Gewerbekanals zur Bewässerung der Wiesen im Freiburger Westen verwendet. Diese Tradition, die bis mindestens 1220 zurückreicht, galt bis Mitte des 19. Jahrhunderts als bestes Mittel, die Erträge der Feldarbeit zu erhöhen. Die typischen weitverzweigten Bewässerungssysteme finden sich auf zahlreichen Karten dieser Zeit wieder. Für eine gerechte Verteilung des Wassers sorgten die Runzgenossenschaften, die vereinzelt bis zum heutigen Tag bestehen.

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